Autor: Angie Thomas

Veröffentlichung: 24. März 2017

Genre: Jugendbuch (Gesellschaft, Politik, Rassismus etc.)

Altersempfehlung: ab 14 J.

Preis: 17, 99 Euro (gebunden), 13,99 Euro (Ebook)

Verlag: cbt

Seitenanzahl: 512

Inhalt: Die 16-jährige Starr lebt in zwei Welten: in dem verarmten Viertel, in dem sie wohnt, und in der Privatschule, an der sie fast die einzige Schwarze ist. Als Starrs bester Freund Khalil vor ihren Augen von einem Polizisten erschossen wird, rückt sie ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Khalil war unbewaffnet. Bald wird landesweit über seinen Tod berichtet; viele stempeln Khalil als Gangmitglied ab, andere gehen in seinem Namen auf die Straße. Die Polizei und ein Drogenboss setzen Starr und ihre Familie unter Druck. Was geschah an jenem Abend wirklich? Die Einzige, die das beantworten kann, ist Starr. Doch ihre Antwort würde ihr Leben in Gefahr bringen…

Meinung:

Ich bin so fasziniert und geflasht von diesem Buch, dass ich glaube, dass ich ihm mit meiner Rezension gar nicht gerecht werden kann!

Der Schreibstil war super simple, was aber auch eindeutig zu dem Buch gepasst hat, denn es wurde aus der Perspektive eines 16-jährigen Mädchen erzählt, dass viel mit Problemen zu kämpfen hatte. An sich war die Thematik recht kompliziert, aber durch den einfachen und authentischen Schreibstil, war es verständlich, immer noch mit viel Information und auch sehr berührend und mitreißend.

Starr, ein junges Mädchen, aus einem armen Viertel hat Eltern, die alles dafür tun, dass ihre Tochter die Möglichkeit hat, in eine „Weißen-Schule“ zu gehen und eine gute Bildung erfährt. Sie hat schon viele Tiefpunkte in ihrem Leben gehabt, zum Beispiel  wurde ihre beste Freundin vor ihren Augen erschossen, und  Starr kämpft auch mit ihren zwei Persönlichkeiten: die eine an der Privatschule, umgeben von Weißen, und  die andere zu Hause in dem „schwarzen Ghettoviertel“. Eines Abends geht sie auf eine Party, die sie aber sofort mit ihrem besten Freund Khalil verlässt, als es eine Schießerei gibt. Auf dem Weg nachhause werden sie aus scheinbar unerklärlichen Gründen von einem Polizisten angehalten, der Khalil, in dem Moment, als er Starr fragen will, wie es ihr geht, erschießt.   Der Tod wird zur Schlagzeile. Viele Weiße, auch Schulfreunde von Starr, entschuldigen seinen Tod damit, dass er doch ein Drogendealer war, obwohl keiner von ihnen die näheren Umstände dazu kannte. Starr ist die einzige Zeugin und möchte aussagen.

„Wozu hat man eigentlich eine Stimme, wenn man in den entscheidenden Momenten schweigt?“ -Starr

Viele Schwarze demonstrieren, was aber schnell eskalierte, denn es wurden unter anderem auch Gebäude, Läden und Häuser Unschuldiger abgefackelt. Doch es wurde so gut geschildert, dass man nachvollziehen konnte, warum die Menschen in ihrer tiefen Verzweiflung so handeln, wie sie handeln.

Starrs Gefühle wurden so toll und nachvollziehbar beschrieben, dass man ihre Angst , den Mund zu öffnen und etwas gegen die Ungerechtigkeit zu tun, förmlich spürt. Aber sie findet, dass sie Khalil, der seit der Kindheit ihr bester Freund war, eins schuldet: Gerechtigkeit. Sie ist der Meinung, er hat es verdient, dass die Welt seine Geschichte kennenlernt, der Polizist seine verdiente Strafe und das System, das leider immer noch von Rassismus geprägt ist, seine Lektion bekommt. Zu Beginn ist Starr sehr zögerlich, doch sie fasst Mut und besonders gegen Ende rebelliert sie. Außerdem ist sie ein sehr realistisch dargestellter Charakter – damit meine ich, dass sie nicht die wahnsinnig mutige Heldin ist, sondern ein ganz normaler Teenager, der mit seinen Problemen zu kämpfen hat.

An ihrer „weißen“ Schule stellt sch ihre jahrelange, sehr gute Freundin als Rassistin raus, sie bekommt Selbstzweifel und eine Identitätskrise, weil sie nicht weiß, wer sie ist. Die schwarze oder die weiße Starr? Ihren weißen Freund Chris, weist sie zurück, weil sie glaubt, er könne sie nicht verstehen und, weil sie denkt, er würde mit ihr nichts mehr zu tun haben wollen, wenn sie ihm ihr „Schwarzes Ich“ offenbaren würde. Doch Chris ist ein toller Charakter, der ihr bei allem, was sie tut, unterstützend zur Seite steht und immer für sie da ist. Aber natürlich hat Starr auch ganz normale, alltägliche Probleme, wie Streit mit ihren Geschwistern und Eltern, Zickenkriege zwischen ihren Freundinnen und und und… Es ist einfach authentisch!

Wie man merkt, steckt dieses Buch voller Dramatik und emotionalen Momenten. Trotzdem hat die Autorin es geschafft, dass das Buch einen nicht runterzieht oder extrem depressiv macht. Es wirkt mehr so, als würde das Buch einem Hoffnung geben wollen. Was sie auch sehr realistisch gemacht hat, ist, dass Starr nicht durchgehend todtraurig und fertig ist. Khalil ist tot, ja, aber ihr Leben geht weiter und, obwohl sie im Hinterkopf immer noch an Khalil denkt, gibt es auch ein paar Momente, an denen sie lacht und für eine Milli-Sekunde ihren Kampf und seinen Tod vergisst. Sie ist stark und gibt sich nicht komplett auf oder widmet sich nur ihren Trauergefühlen, obwohl diese auch natürlich eine groß Rolle spielen. Die Momente, in denen ich wirklich schmunzeln musste, heben die Laune des Buches wirklich.

Man entwickelt im Laufe des Buches ein Verständnis für die Schwarzen, lernt viel über ihre Denk- und Lebensweise, auch über die sogenannten „Ghetto“-Viertel, wie in diesem Fall „Garden High“. Am Rande lernt man auch viel über die Lord/Queen-Hierarchie und die Drogendealer-Szene, die bei den Schwarzen leider eine große Rolle spielt. Oft haben sie keine andere Wahl, weil sie Geld brauchen und ihre Familie keine Arbeit aufgrund von Krankheiten oder auch Rassismus hat.

Eine tolle Buchbloggerin hat den Titel ihrer Rezension zu diesem Buch “ Wenn die Realität zum Buch wird“ genannt, womit sie es meiner Meinung nach genau auf den Punkt bringt. Dieses Buch hat einen so starken Realitäts- und Aktualitätsbezug, dass dieses Buch unbedingt von noch mehr Leuten gelesen werden muss. Besonders in Amerika ist das zur Zeit oder beziehungsweise leider schon seit einiger Zeit ein großes Thema, dass eigentlich sofort unwiderruflich aus der Welt geschafft gehört. Bis da hin ist es leider noch ein langer Weg, aber es wird die Zeit kommen, an dem es aus der Welt geschafft und durch ein neues Problem ersetzt wurde.

Außerdem stimmt dieses Buch einen sehr nachdenklich, denn es sind so wichtige Themen angesprochen, mit denen ich persönlich mich davor noch zu wenig beschäftigt habe. Ich bin mir so sicher, dass ich dieses Buch rereaden werde, und zwar mit einem Textmarker in der Hand, um alle tollen, wichtigen Zitate zu markieren! Dennoch habe ich bereits ein paar davon rausgeschrieben:


„Manchmal machst du alles richtig und es geht trotzdem alles schief. Entscheidend ist, dass du dennoch nie aufhörst, das Richtige zu tun.“ – Starr’s Mom

„Da ist dieses Wort wieder. Mut. Mutigen Menschen zittern bestimmt nicht die Knie. Mutige Menschen haben nicht das Gefühl, gleich kotzen zu müssen. Und mutige Menschen müssen sich bestimmt nicht ermahnen, zu atmen , wenn sie zu sehr an jenen Abend denken. Wäre Mut ein medizinischer Zustand, läge bei mir eine klare Fehldiagnose vor.“ – Starr

„Mutig sein bedeutet nicht, dass du keine Angst hast, Starr“, sagt sie. „Es bedeutet, das du was tust obwohl du Angst hast.“ Starr’s Mom

„Man sagt, Elend zieht Elend an, aber das gilt wohl ebenso für Wut. Ich bin hier nicht die Einzige, die angepisst ist – alle um mich rum und es auch. Man muss dafür nicht auf dem Beifahrersitz gesessen sein, als es passierte. Meine Wut ist ihre Wut, und ihre ist meine.“ – Starr

„Thug Life seht für „The Hate U Give Little Infants Fucks Everybody.“ Hör zu! T-H-U-G L-I-F-E. Das bedeutet, was die Gesellschaft und als Kinder antut, das kriegt sie später zurück, wenn wir raus ins Leben zieht. Kapiert?“ – Khalil

Das letzte Zitat ist wohl eines der wichtigsten Zitate in diesem Buch, denn es beschreibt einfach alles, worum es in diesem Buch geht, aber vor allem versteht man dadurch auch, warum das Buch genau diesen Titel trägt.


Fazit: Ein umwerfendes, so realistisches und intensives Buch! Allein die Botschaft spricht dafür, nämlich, dass alle Menschen gleich sind und, dass man seine Stimme benutzen soll, denn sie ist deine einzige Waffe gegen Ungerechtigkeit, ohne selbst ungerecht zu werden. Ich hoffe sehr, dass dieses Buch viele erreicht und viele dieses Buch lesen werden, denn das hat es verdient! Ebenso, wie die 10 von 10 goldenen Federn!


Vielen Dank fürs Vorbeischauen und Lesen! Lasst mir gerne Bewertungen, Kommentare und Meinungen zu diesem Buch da ❤ , eure Julia von juliasfantasticbooks

 

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